Erlebnisbericht Yannick Hanfmann

„Es geht nicht nur um den Grand Slam“

am 10. Juli 2019

In Niederlagen erfolgreich sein. Schwierigkeiten nicht aus dem Weg gehen, sondern sich ihnen entgegenstellen: Yannick Hanfmanns Weg in die erste Liga des Tennis war ebenso fordernd wie der Umgang mit seiner Schwerhörigkeit, unter der er seit seiner Kindheit leidet. Seit 2008 steht sein Name auf der Weltrangliste, seit 2017 ist er Profi. Und seit Kurzem trägt er das Hörsystem KINDevo. Die modernen Hörgeräte haben den erfahrenen Sportler ebenso so beeindruckt wie überwältigt. Ein Besuch beim Training.

Lieber Herr Hanfmann, entschuldigen Sie bitte meine Feststellung. Aber mir sind Ihre Hörgeräte überhaupt nicht aufgefallen. Wie fühlt es sich mit den neuen Hörgeräten an?
Zuerst war ich überrascht, wie einfach die Anpassung, die Handhabung ist. Im Vergleich zum vorherigen Gerät hat es auch einen ganz anderen Klang. Und ich stelle fest, wie laut es um mich herum ist. Auch hat es mich irritiert, wie geräuschvoll Tennisspielen ist. Das war mir so nicht bewusst.

Wieso hat Sie das irritiert? Sie tragen doch seit Ihrer Kindheit Hörgeräte.
Natürlich – aber in dieser Qualität hatte ich zuvor noch keine. Und ich trage sie nun permanent. 

Was zeichnet das neue Modell aus Ihrer Sicht am meisten aus?
Die Geräte zeichnen sich dadurch aus, dass ich mich nicht mehr auf verschiedene Situationen einzustellen brauche, weil die Geräte alle Möglichkeiten selbst steuern, ohne dass ich mich darum kümmern muss. Der Lärm einer Stadt, Autohupen, ständige Musikbeschallung – in unserer lauten Welt wird Stille zu einem wertvollen Gut. 

Hatte Ihre Schwerhörigkeit da nicht auch Vorteile?
Die Vorteile erkenne ich erst jetzt mit zunehmendem Alter. Eben dass ich durch das Absetzen der Hörgeräte auch einmal abschalten kann. Somit habe ich die Wahl zwischen einer lauten und einer stillen Welt. 

Wir hatten zuvor schon über die Nachteile gesprochen. Eben auch in der Zeit als Jugendlicher. Wie stehen Sie heute dazu?
Natürlich hat mich die Schwerhörigkeit geprägt, auch wenn sie bei uns zu Hause selbstverständlich war. Meine Schwester und mein Vater sind ebenso schwerhörig. In der Schule empfand ich es als unangenehm, ich wollte auch alles mitbekommen. Das war leider nicht möglich. 

Hatte die Schwerhörigkeit auch Einfluss auf die Wahl Ihrer Sportart?
Natürlich! War ich als Jugendlicher anfänglich erfolgreich als Fußballer in der Jugendmannschaft des Karlsruher SC, verhinderte die Schwerhörigkeit hier meine Karriere. Irgendwann hörte ich die Zurufe meiner Mitspieler und das Kommando der Trainer nicht mehr. Beim Tennis ist das ganz anders – hier sehe ich meine Gegner. Das vereinfacht das Ganze. Eine besondere Behandlung wegen der Schwerhörigkeit ist für mich auf dem Tennisplatz nicht notwendig. Ich sage es den Schiedsrichtern, die relativ leise reden. Auf dem Tennisplatz ist es eher positiv, weil ich nicht alles höre, was auf den Tribünen geredet und gerufen wird.

Dass er in der Qualifikation in München einmal den Ruf des Schiedsrichters nicht gehört habe, erzählt er beiläufig als Anekdote zum Schmunzeln.

Heutzutage wird eine Brille auch als modisches Accessoire angesehen. Was meinen Sie, könnte das auch in Zukunft bei Hörgeräten der Fall sein?
Ich glaube, dass wir davon noch weit entfernt sind, zumal die Brillen größer und markanter, dagegen die Hörgeräte immer kleiner und unsichtbarer werden. Wobei ich mir schon einmal ein farbiges Hörgerät, passend zur Kleidung, vorstellen kann. 

Ein farbiges Hörgerät? In Gelb, passend zum Tennisball?
Nun ja, vielleicht doch nicht. Aber ich habe die neuen Hörgeräte von KIND gesehen, jene, die die Lautstärke beim Fernsehen automatisch regeln, die sich mit meinem Smartphone verbinden und sogar übersetzen können. In solchen innovativen Angeboten sehe ich die Zukunft der Hörgeräte. Allein wenn ich überlege, wie oft ich in anderen Ländern unterwegs bin, Südamerika, Japan, China – und ich könnte alle Menschen verstehen: Das wäre wunderbar!