Hörgeräte einstellen

So funktionieren Hörprogramme und Programmautomatik

am 1. Mai 2019

Hörgeräte gleichen zunächst den Hörverlust aus, indem sie die Frequenzen verstärken, die nicht mehr optimal wahrgenommen werden. Um auf unterschiedliche Hörsituationen perfekt zu reagieren, verfügen die Geräte über verschiedene Hörprogramme, die auf die jeweiligen Hörsituationen eingestellt sind. Dazu werden vor allem weitergehende Features wie Störgeräuschreduktion oder Richtmikrofonwirkung auf die jeweilige Hörsituation optimal eingestellt.

Die Grundlagen für Hörprogramme

Hörprogramme sind nicht standardisiert, sie werden für jeden Hörgeräteträger individuell erstellt. Grundlage dafür ist die ausführliche Höranalyse, die der Hörakustiker mit dem Kunden durchführt. Dabei wird das Hörvermögen in Form eines Diagramms dargestellt, mit dessen Hilfe sich die Frequenzbereiche beziehungsweise Frequenzbänder mit verringertem Hörvermögen identifizieren lassen. Der Hörakustiker kann mit diesen Informationen die Hörgeräte einstellen. Die erforderliche Verstärkung der jeweiligen Frequenzbänder wird anhand komplexer Formeln (zum Beispiel NAL-NL2) ermittelt. Für das menschliche Gehör ist eine Aufteilung in vier Kanäle sinnvoll.


Wie viele Hörprogramme sind sinnvoll?

Der Hörakustiker hinterlegt die Hörprogramme in den Mikrochips der Geräte. Selbst im Nulltarif kann er schon drei individuelle Programme einstellen. Wie viele für eine optimale Hörlösung erforderlich sind, ist ganz verschieden. Basis ist immer das allgemeine Hörprogramm, das für die meisten Hörsituationen geeignet ist. Weitere Einstellungen für Hörgeräte sind folgende Hörprogramme: „Hören im Lärm“, „Telefonie“, „Musik“ und „Beruf“. Mehr haben Hörgeräte in der Regel nicht. Zusätzliche Hörprogramme können jedoch mit Smartphone-Apps wie KINDiLink geladen werden. Über das Mobiltelefon lassen sich dann per Funk (Bluetooth) die Hörgeräte einstellen. Praktisch: Hörprogramme können mittels der Positionsbestimmung GPS des Handys als sogenannter Geo-Tag (Ortsmarkierung) einem bestimmten Ort zugeordnet werden und schalten sich dort automatisch ein – zum Beispiel das Programm „Musik“ in einem Konzertsaal.

Eine Besonderheit von Hörprogrammen für Musik ist, dass sie einen breitbandigeren Klang ausgeben. Die meisten andren Hörprogramme sind sprachbetont ausgerichtet.

Per Programmautomatik die Hörgeräte einstellen

Hörprogramme lassen sich entweder manuell am Hörgerät einstellen oder per Programmautomatik – dabei werden durch die Analyse von Schallinformationen (SNR oder Signal-Rausch-Verhältnis, Modulations-Frequenz, Pegel-Differenz rechts/links) die jeweilige Hörsituation identifiziert und die passende Funktion des Hörgeräts entsprechend aktiviert. Zum Beispiel haben Störgeräusche eine bestimmte Frequenzcharakteristik. Wird diese vom Chip erkannt, passt er Direktionalität beziehungsweise Störgeräuschunterdrückung entsprechend an.

Nicht immer ist eine Automatik erwünscht. Wenn der Hörgeräteträger genau weiß, in welcher Hörsituation er sich befinden wird, ist ihm die manuelle Einstellung der Hörgeräte unter Umständen lieber. Um bei dem Beispiel Konzertsaal zu bleiben: Beim Hörprogramm „Musik“ sind alle anderen Regelungen wie „Störgeräuschunterdrückung“ minimiert oder ganz ausgestellt. Damit ist der reine Musikgenuss garantiert.