Sehfehler:

Beeinträchtigungen des Sehens und mögliche Abhilfe

Ob unscharfes Sehen oder Verzerrungen, Sehfeldausfälle oder Doppelbilder: Sehfehler können jederzeit auftreten. Manchmal sind sie genetisch bedingt und zeigen sich früh. In anderen Fällen entwickeln sie sich erst im Lauf der Jahre. Einschränkungen in der optischen Wahrnehmung der Umwelt sind mehr als nur störend – sie beeinträchtigen das Leben und sind gefährlich. Eine Checkliste mit Hinweisen auf Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

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Übersicht:

  • Unscharfes Sehen

  • Verzerrtes Sehen

  • Beeinträchtigungen des Sehens

  • Wahrnehmung von Doppelbildern

  • Sehfehler: Check beim Augenarzt oder Augenoptiker?

Sehfehler: Funktionseinschränkung oder Krankheit?

Sehfehler können unterschiedlichste Ursachen haben. Sofern es sich um reine Fehler in der optischen Abbildung des Gesehenen auf der Netzhaut handelt, fallen sie in die Kategorie Fehlsichtigkeit. Die meisten dieser Sehfehler lassen sich mittels Brille, Kontaktlinsen oder Augen-OP korrigieren.

Sehfehler können aber auch Symptom ernster Augenerkrankungen

oder Begleiterscheinung allgemeiner Krankheiten sein. Aus diesem Grund sollte bei ihrem ersten Auftreten immer eine gründliche ärztliche Diagnose gestellt werden.

 

Unscharfes Sehen

Ein verschwommenes Wahrnehmen von Objekten und der Umgebung hat unterschiedliche Ursachen. In sehr vielen Fällen geht unscharfes oder verzerrtes Sehen auf eine Fehlsichtigkeit zurück.

 

Kurzsichtigkeit (Myopie)

Kurzsichtige können nur im Nahbereich scharf sehen, weiter entfernte Objekte erscheinen verschwommen. Grund ist oft ein zu lang ausgeprägter Augapfel, der Brennpunkt der Augenlinse liegt dann vor der Netzhaut. Vermehrt entsteht Kurzsichtigkeit gerade bei Kindern durch Mangel an Tageslicht sowie das oft stundenlange Schauen auf das Display des Tablets oder Smartphones.

  • Auftreten: Kurzsichtigkeit ist genetisch bedingt, entwickelt sich aber in unterschiedlichen Lebensstadien. Ihr Grad kann im Lauf der Jahre an Intensität verlieren oder zunehmen

  • Behandlung: Die unzureichende Brechkraft der Augenlinse lässt sich durch Brille, Kontaktlinsen oder Laser-Operation der Hornhaut beheben

  • Risikopotenzial: Kurzsichtigkeit besonders in höherem Alter kann Begleiterscheinung von Star-Erkrankungen sein; die ärztliche Untersuchung ist wichtig!

 

Weitsichtigkeit (Hyperopie)

Bei Weitsichtigkeit ist scharfes Sehen im Nahbereich nicht oder nur unter Anstrengungen möglich. Der Grund ist ein zu kurz ausgebildeter Augapfel. Der optische Apparat des Auges erzeugt zwar den richtigen Brennpunkt, doch der liegt hinter der Netzhaut. Selten sind eine zu flach ausgebildete Hornhaut oder Augenlinse mit daraus resultierender zu geringen Brechkraft die Ursache. Das Auge kann Weitsichtigkeit durch Anstrengung ausgleichen. Daher wird sie oft erst spät erkannt.

  • Auftreten: ab der Geburt, aber Weitsichtigkeit macht sich häufig erst später bemerkbar

  • Behandlung: Korrektur durch Brille, Kontaktlinsen oder Laser-Operation

  • Risikopotenzial: Jede sich im Lauf der Jahre herausbildende Sehschwäche kann auf ernste Augenerkrankungen hinweisen und muss ärztlich überprüft werden

 

Verzerrtes Sehen

Hornhautverkrümmung (Stabsichtigkeit, Astigmatismus)

Die Hornhaut weist fast immer Unebenheiten und damit Brechungsfehler auf. Bei stärkerer Deformation erscheint das gesehene Bild verzerrt.

  • Auftreten: ab der Geburt, kann auch durch Vernarbungen nach Hornhautentzündungen oder Verletzungen entstehen

  • Behandlung: einfache Korrektur durch torisch geschliffene Brillengläser oder Kontaktlinsen möglich. Hornhautverkrümmung und Kurzsichtigkeit lassen sich mit derselben Brille oder denselben Kontaktlinsen korrigieren. Hornhautverkrümmung kann zudem durch Laser-Operation korrigiert werden

  • Risikopotenzial: Werden mit zunehmendem Alter vor allem gerade Linien verzerrt wahrgenommen, deutet das auf eine gefährliche altersbedingte Makuladegeneration hin; ärztliche Kontrolle ist wichtig!

Beeinträchtigungen des Sehens

Neben den klassischen Sehfehlern Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmung verursachen auch andere Sehstörungen oder Augenerkrankungen scheinbar harmlose Symptome.

 

Nachtblindheit (Hemeralopie)

Nachtblindheit hat ihre Ursache zumeist in einer Fehlfunktion von Sehnervenzellen in der Netzhaut. Sie ist selten genetisch bedingt und tritt weit häufiger als Begleiterscheinung allgemeiner Erkrankungen oder als Folge von Vitamin-A-Mangel auf.

  • Auftreten: starke Sehprobleme bei schwachem Licht (Dämmerung) und in der Nacht

  • Behandlung: Genetisch bedingte Hemeralopie ist nicht therapierbar; als Folge allgemeiner Erkrankungen klingt sie ab, nachdem diese auskuriert sind

  • Risikopotenzial: Nachtblindheit kann Symptom von Grünem Star, einer Trübung der Hornhaut oder Augenlinse oder einer Netzhauterkrankung sein. Daher sollte sie ärztlich untersucht werden

 

Farbenfehlsichtigkeit

Farbenfehlsichtigkeit (Dyschromatopsie, Dyschromasie) zeigt sich in der Störung der Farbwahrnehmung. Ursache sind genetisch bedingte Fehlfunktionen einzelner oder aller für das Farbensehen zuständigen Sehnervenzellen auf der Netzhaut. Totale Farbenblindheit (Achromasie) tritt auch als Begleiterscheinung von Albinismus auf.

  • Auftreten: ab der Geburt, selten durch neurologische Störungen oder Schlaganfall erworben

  • Behandlung: meist nicht behandelbar

  • Risikopotenzial: Plötzlich auftretende Farbfehlsichtigkeit kann Symptom eines Schlaganfalls sein; ärztliche Überprüfung ist nötig!

 

Verwaschenes Sehen

Verwaschenes Sehen kann in Trübungen von Hornhaut oder Augenlinse begründet sein, es geht oft mit unscharfem Sehen einher. Auch Grauer Star (Katarakt), Grüner Star (Glaukom) und altersbedingte Makuladegeneration machen sich anfangs durch verwaschenes Sehen bemerkbar.

  • Auftreten: ab dem 40. Lebensjahr, langsame Verschlechterung der Sehfähigkeit

  • Behandlung: Sehunschärfen werden anfangs durch Brille oder Kontaktlinsen korrigiert. Bei starker Trübung kann die Hornhaut transplantiert oder die Augenlinse durch eine Kunstlinse ersetzt werden

  • Risikopotenzial: unbedingt ernst zu nehmen. Falls es sich um Symptome des Kataraktes, des Glaukoms oder der altersbedingten Makuladegeneration handelt, ist ein frühzeitiger Behandlungsbeginn wichtig

 

Bildausfälle

Kommt es im Sehfeld zu Bildausfällen, deutet das auf ernsthafte Schäden an der Netzhaut hin. Sie kann Risse bekommen oder sich von der Rückwand des Augapfels ablösen. Auch neurologische Störungen kommen als Ursache in Betracht.

  • Auftreten: schleichende Entstehung oder plötzliches Auftreten nach starker körperlicher Anstrengung

  • Behandlung: Netzhautablösungen lassen sich im Frühstadium per Laser wieder anheften

  • Risikopotenzial: Alarmsignal, schnellste ärztliche Untersuchung ist nötig! Sich langsam herausbildende graue Flecken im Zentrum des Sehfeldes können auch Symptom der gefährlichen altersbedingten Makuladegeneration sein

 

Wahrnehmung von Doppelbildern

Schielen (Strabismus)

Beim Schielen sind die Sehachsen der Augen nicht auf denselben Punkt ausgerichtet. Es kommt häufig bei kleinen Kindern vor, bei denen Augenmuskulatur und Sehzentrum im Gehirn noch nicht voll entwickelt sind. Bei der weit verbreiteten Winkelfehlsichtigkeit (Heterophorie, auch latentes Schielen) liegt bei Menschen jeden Alters eine Störung im Gleichgewicht der Augenmuskulatur vor. Sie bleibt im Normalzustand meist unbemerkt und tritt erst bei Stress, Müdigkeit oder Alkoholgenuss durch Sehen von Doppelbildern, Augenschmerzen oder Kopfschmerzen auf. Treten Doppelbilder auch beim Sehen mit nur einem Auge auf, deutet das auf einen Grauen Star hin.

  • Auftreten: bei Kleinkindern bis zum Schulalter

  • Behandlung: wechselweises Abdecken der Augen zur Stärkung der Muskulatur des jeweils sehenden Auges. Winkelfehlsichtigkeit kann durch Sehübungen, Tragen von Prismengläsern oder operativ therapiert werden

  • Risikopotenzial: Frühzeitige Behandlung von kindlichem Schielen ist wichtig, da sich sonst eine lebenslange Schwachsichtigkeit ausbilden kann

 

Sehfehler als allgemeines Krankheitssymptom

Die Ursachen für Sehfehler liegen nicht immer im optischen Apparat des Auges. Sie können sich auch als Begleiterscheinung anderer allgemeiner Krankheiten wie Diabetes mellitus, Schilddrüsenfunktionsstörungen und Haut-, Darm- oder Autoimmunerkrankungen ausbilden. Neben vorübergehenden Sehbeeinträchtigungen, die mit dem Abklingen oder einer wirksamen Therapie der Krankheit wieder verschwinden, führen schwerwiegendere Verläufe zu dauerhaften Sehschäden.

 

Sehfehler: Check beim Augenarzt oder Augenoptiker?

Augenarzt und Augenoptiker sind gleichermaßen in der Lage, einen Sehfehler korrekt zu vermessen. Während der Arzt die nötigen Korrekturlinsen nur verschreibt, kann der Augenoptiker sie gleich selbst anfertigen.

Beim ersten Auftreten oder bei einer schnellen Verschlechterung einer Sehschwäche ist jedoch der Augenarzt die richtige Adresse. Er misst nicht nur die Refraktion, also die Brechkraft des optischen Apparates, sondern untersucht die Augen gründlich. Dabei kann er feststellen, ob es sich bei dem Sehfehler um Anzeichen einer ernsten Augenerkrankung oder um eine Fehlsichtigkeit handelt.

Ist ein Sehfehler bereits eindeutig als Fehlsichtigkeit festgestellt, ist der Augenoptiker der Ansprechpartner für die weitere Betreuung, also die regelmäßige Sehschärfenmessung. Oft haben Augenoptiker in diesem Bereich der Augenuntersuchung sogar mehr Routine als Augenärzte. Und sie messen bei einem Termin nicht nur die Sehschärfe, sondern ermittelt auch gleich weitere für eine benötigte Brille wichtige Werte wie etwa den Pupillenabstand.

Online-Sehtests können allenfalls erste Hinweise auf den Grund für einen Sehfehler geben – zur präzisen Messung der Sehschwäche oder Diagnose von Ursachen eignen sie sich nicht.

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