Zum Inhalt springen

Tinnitus-Behandlung: Welche Therapien Hilfe bringen

In Kürze

Tinnitus kann sich als Pfeifen, Summen, Rauschen oder anderes Ohrgeräusch bemerkbar machen. Die Geräusche können zeitweise auftreten oder länger anhalten – und den Alltag spürbar belasten.

Wichtig ist: Bei anhaltendem subjektivem Tinnitus gibt es nach heutigem Stand keine allgemeingültige Heilung. Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Wahrnehmung der Geräusche zu reduzieren und wieder mehr Ruhe in den Alltag zu bringen. Der erste Schritt sollte immer eine ärztliche Abklärung sein.

Darauf aufbauend können zum Beispiel Tinnitus-Hörgeräte oder sogenannte Tinnitus-Noiser unterstützen. Welche Lösung geeignet ist, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Eine individuelle Beratung und sorgfältige Anpassung durch Hörakustikerinnen und Hörakustiker hilft dabei, die passende Unterstützung zu finden – mit dem Ziel, Tinnitus weniger stark wahrzunehmen und die Lebensqualität zu verbessern.

Tinnitus_Behandlung_2880x1620

Was tun bei Tinnitus?

Wichtig ist, dass eine Tinnitus-Behandlung rechtzeitig beginnt: Betroffene sollten möglichst schon beim ersten Auftreten einen Ohrgeräusches zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt gehen. Bei einem neu aufgetretenen Tinnitus ist am ehesten eine ursächliche Behandlung möglich, die ihn wieder zum Verschwinden bringt. Vor lauter Stress erst nach Wochen mit einem nervenden Ohrgeräusch zum Arzt zu gehen, ist daher keine gute Idee. Dann droht die Entwicklung eines chronischen Tinnitus im Gehirn, der sich nicht mehr heilen lässt.

Bei akuten Ohrgeräuschen können je nach Tinnitus-Ursache Medikamente, Tinnitus-Counseling oder Entspannungsverfahren helfen. Ist keine behandelbare körperliche Ursache erkennbar, setzen Hals-Nasen-Ohren-Ärzte meist Medikamente in Form von Infusionen oder Tabletten ein. Statt der früher oft verwendeten Medikamente zur Förderung der Durchblutung werden heute in der Regel Kortison-Präparate verwendet, um den Zellstoffwechsel der Hörsinneszellen und die elektrische Leitfähigkeit der Hörbahnen zu verbessern. Mitunter spritzt der Arzt das Kortison auch direkt ins Mittelohr, wenn die Behandlung mit Tabletten nicht erfolgreich ist.

 

Verschiedene Methoden der Tinnitus-Behandlung

Bei einem Hörsturz mit Tinnitus behandelt der Arzt häufig zuerst mit Kortison-Infusionen, um die akuten Beschwerden zu lindern. Anschließend folgt eine gründliche Untersuchung, um die Ursache des Hörsturzes herauszufinden und gezielt zu behandeln. Meist verschwindet ein akuter Tinnitus nach erfolgreicher Behandlung der Grunderkrankung. Ist eine Mittelohrentzündung die Ursache des Tinnitus, werden statt des Kortisons Antibiotika zur Behandlung des Tinnitus eingesetzt. Bei einer Schädigung des Innenohrs durch Lärmeinwirkung wie ein Knalltrauma kann auch eine hyperbare Sauerstofftherapie infrage kommen.

hoergeraete-beratung_meister-kunde_06-2019_1x1

Tinnitus-Beratung

Informieren Sie sich beim Experten

In unseren KIND Fachgeschäften werden Sie umfassend zum Thema Tinnitus beraten. Unsere Hörakustiker informieren Sie über Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Therapie-unterstützende Geräte. Damit sind Sie optimal auf das Arztgespräch vorbereitet.

Entspannung, gesundes Leben und Aufklärung helfen

Viele Betroffene leiden verstärkt unter ihrem Tinnitus, wenn sie unter Stress stehen. Entspannungsverfahren wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga, Qigong und Tai Chi helfen als Begleitmaßnahme zur Tinnitus-Behandlung, souveräner mit Stress umzugehen und so den Tinnitus im Zaum zu halten. Ein gesundes Leben mit ausgewogener Ernährung, viel Bewegung und wenig Alkohol hilft ebenfalls, den Tinnitus zu beherrschen. Vollständig tabu sind Zigaretten, denn Tabakrauchen verstärkt die Ohrgeräusche. Aber auch vollständige Stille kann problematisch sein, ein sozialer Rückzug ist daher nicht hilfreich. Sehr sinnvoll ist es, sich umfassend im Rahmen seiner Tinnitus-Therapie über seinen Tinnitus aufklären zu lassen. Beim sogenannten Tinnitus-Counseling erläutert der Arzt Möglichkeiten, was man als Betroffener bei Tinnitus tun kann und wie man sein Ohrgeräusch möglichst ausblendet.

Mitunter kommen schon in der akuten Phase Tinnitus-Hörgeräte oder Tinnitus-Noiser zum Einsatz.

Therapien bei chronischem Tinnitus

Wie bereits erwähnt: Einen chronischen Tinnitus zu heilen, das ist meist nicht möglich. Bei einem chronischen Tinnitus geht es nicht mehr darum, die Ohrgeräusche vollständig zum Verschwinden zu bringen. Betroffene lernen, sich daran zu gewöhnen und die Geräusche weniger zu beachten, sie schließlich zu überhören. Dabei helfen spezielle Hörsysteme und kombinierte Therapieprogramme:

Tinnitus-Hörgeräte oder "Rauscher" (Tinnitus-Noiser) lenken die Wahrnehmung des Gehirns so um, dass das Ohrgeräusch immer mehr in den Hintergrund tritt. Zudem hören und verstehen Betroffene mit speziell angepassten Hörgeräten die Hörinformationen aus der Umgebung besser und konzentrieren sich stärker darauf. Daneben lernen Betroffene beim Tinnitus-Counseling per Bewältigungstraining, besser mit ihrem Tinnitus umzugehen. Entspannungstechniken, Bio- oder Neurofeedback und kognitive Verhaltenstherapie helfen, Stress zu verringern und Probleme aufzuarbeiten.

Viele Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und entsprechende Kliniken bieten in speziellen Sprechstunden Hilfe bei Tinnitus an. Manchen Betroffenen, vor allem wenn sie unter schweren Tinnitus-Formen leiden, hilft der Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik, die eine neurootologisch-psychosomatische Tinnitus-Therapie (NPT) anbietet. Dieses fachübergreifende Behandlungskonzept hat die frühere Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) mittlerweile abgelöst.

Passende Tinnitus-Geräte von KIND

Ein Tinnitus kann mit oder ohne Hörminderung auftreten. Für beide Fälle bietet Ihnen KIND die passende Versorgung an. Ihr KIND Hörakustiker berät Sie gern zu Ihrem individuellem Bedarf.

Lernen Sie mehr über Tinnitus

Medizinisch betrachtet ist Tinnitus ein Symptom und keine Erkrankung. Zu den Ursachen können zwar Erkrankungen wie zum Beispiel eine Mittelohrentzündung gehören, doch in der überwiegenden Zahl der Fälle sind Lärmbelastungen oder Stress der Grund für die Ohrgeräusche. Entsprechend zielt die Behandlung in erster Linie auf das Symptom. Für viele Betroffene hat die anhaltende Belastung durch den Tinnitus aber durchaus den Charakter einer Krankheit angenommen. Deshalb ist es in der Behandlung wichtig zu lernen, wie man mit Tinnitus leben kann. Hier sind der HNO-Arzt und Hörakustiker oftmals eine Hilfe.

FAQ - Fragen zur Tinnitus Behandlung im Überblick

Welche Möglichkeiten gibt es bei Tinnitus?

Welche Unterstützung bei Tinnitus infrage kommt, hängt von der Ursache und Ihrer persönlichen Situation ab. Nach einer ärztlichen Abklärung können zum Beispiel Hörgeräte mit Tinnitus-Funktion, Noiser oder begleitende Maßnahmen helfen, die Ohrgeräusche im Alltag weniger stark wahrzunehmen.

Wie können Hörsysteme bei Tinnitus helfen?

Wenn neben dem Tinnitus auch eine Hörminderung vorliegt, können Hörgeräte Umgebungsgeräusche wieder besser hörbar machen. Dadurch tritt der Tinnitus für viele Betroffene weniger in den Vordergrund. Wichtig ist eine sorgfältige Anpassung, damit sich das Hören natürlich anfühlt und gut zu Ihrem Alltag passt.

Was ist ein Noiser?

Ein Noiser erzeugt ein leises, gleichmäßiges Hintergrundgeräusch. Dieses kann dabei unterstützen, den Tinnitus weniger deutlich wahrzunehmen – besonders in ruhigen Situationen. Die Einstellung wird individuell angepasst, damit das Geräusch als angenehm empfunden wird.

Wann sollte ich Tinnitus abklären lassen?

Wenn Ohrgeräusche neu auftreten, sich verändern oder Sie im Alltag belasten, sollten Sie diese ärztlich abklären lassen. So können mögliche Ursachen geprüft und die nächsten Schritte gezielt besprochen werden.

Kann Tinnitus wieder ganz verschwinden?

Das ist von Person zu Person unterschiedlich. Bei chronischem subjektivem Tinnitus lässt sich nicht allgemein zusagen, dass die Geräusche vollständig verschwinden. Viele Betroffene finden jedoch Wege, die Belastung spürbar zu reduzieren – mit der passenden Unterstützung und guter Begleitung.

Wer unterstützt mich bei der Auswahl?

Nach der ärztlichen Diagnose beraten Hörakustikerinnen und Hörakustiker dazu, welche Lösung zu Ihrer Situation passt – zum Beispiel Hörgeräte mit Tinnitus-Funktion oder Noiser. Bei der Anpassung wird berücksichtigt, was Sie im Alltag brauchen, damit die Unterstützung für Sie angenehm und stimmig ist.