Tinnitus-Behandlung: Welche Therapien Hilfe bringen

Was bei Ohrgeräuschen zu tun ist

am 14. September 2017

Für einen chronischen subjektiven Tinnitus gibt es bis heute keine Heilung, eine Tinnitus-Behandlung ist dennoch immer möglich und sinnvoll. Unterschiedliche Methoden können das Leben der Betroffenen wesentlich erleichtern.

Was tun bei Tinnitus?

Wichtig ist, dass eine Tinnitus-Behandlung rechtzeitig beginnt: Betroffene sollten möglichst schon beim ersten Auftreten eines Ohrgeräusches zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt gehen. Bei einem neu aufgetretenen Tinnitus ist am ehesten eine ursächliche Behandlung möglich, die ihn wieder zum Verschwinden bringt. Vor lauter Stress erst nach Wochen mit einem nervenden Ohrgeräusch zum Arzt zu gehen, ist daher keine gute Idee. Dann droht die Entwicklung eines chronischen Tinnitus im Gehirn, der sich nicht mehr heilen lässt.

Bei akuten Ohrgeräuschen können je nach Ursache Medikamente, Tinnitus-Counseling oder Entspannungsverfahren helfen. Ist keine behandelbare körperliche Ursache erkennbar, setzen Hals-Nasen-Ohren-Ärzte meist Medikamente in Form von Infusionen oder Tabletten ein. Statt der früher oft verwendeten Medikamente zur Förderung der Durchblutung werden heute in der Regel Kortison-Präparate verwendet, um den Zellstoffwechsel der Hörsinneszellen und die elektrische Leitfähigkeit der Hörbahnen zu verbessern. Mitunter spritzt der Arzt das Kortison auch direkt ins Mittelohr, wenn die Behandlung mit Tabletten nicht erfolgreich ist.

 

Verschiedene Methoden der Tinnitus-Behandlung

Bei einem Hörsturz mit Tinnitus behandelt der Arzt häufig zuerst mit Kortison-Infusionen, um die akuten Beschwerden zu lindern. Anschließend folgt eine gründliche Untersuchung, um die Ursache des Hörsturzes herauszufinden und gezielt zu behandeln. Meist verschwindet ein akuter Tinnitus nach erfolgreicher Behandlung der Grunderkrankung. Ist eine Mittelohrentzündung die Ursache des Tinnitus, werden statt des Kortisons Antibiotika zur Behandlung des Tinnitus eingesetzt. Bei einer Schädigung des Innenohrs durch Lärmeinwirkung wie ein Knalltrauma kann auch eine hyperbare Sauerstofftherapie infrage kommen.

 

Entspannung, gesundes Leben und Aufklärung helfen

Viele Betroffene leiden verstärkt unter ihrem Tinnitus, wenn sie unter Stress stehen. Entspannungsverfahren wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga, Qigong und Tai Chi helfen als Begleitmaßnahme zur Tinnitus-Behandlung, souveräner mit Stress umzugehen und so den Tinnitus im Zaum zu halten. Ein gesundes Leben mit ausgewogener Ernährung, viel Bewegung und wenig Alkohol hilft ebenfalls, den Tinnitus zu beherrschen. Vollständig tabu sind Zigaretten, denn Tabakrauchen verstärkt die Ohrgeräusche. Aber auch vollständige Stille kann problematisch sein, ein sozialer Rückzug ist daher nicht hilfreich. Sehr sinnvoll ist es, sich umfassend im Rahmen seiner Tinnitus-Therapie über seinen Tinnitus aufklären zu lassen. Beim sogenannten Tinnitus-Counseling erläutert der Arzt Möglichkeiten, was man als Betroffener bei Tinnitus tun kann und wie man sein Ohrgeräusch möglichst ausblendet.

Mitunter kommen schon in der akuten Phase Hörgeräte oder Tinnitus-Noiser zum Einsatz.

 

Therapien bei chronischem Tinnitus

Wie bereits erwähnt: Einen chronischen Tinnitus zu heilen, das ist meist nicht möglich. Bei einem chronischen Tinnitus geht es nicht mehr darum, die Ohrgeräusche vollständig zum Verschwinden zu bringen. Betroffene lernen, sich daran zu gewöhnen und die Geräusche weniger zu beachten, sie schließlich zu überhören. Dabei helfen spezielle Hörsysteme und kombinierte Therapieprogramme:

Spezial-Hörgeräte oder „Rauscher“ (Tinnitus-Noiser) lenken die Wahrnehmung des Gehirns so um, dass das Ohrgeräusch immer mehr in den Hintergrund tritt. Zudem hören und verstehen Betroffene mit speziell angepassten Hörgeräten die Hörinformationen aus der Umgebung besser und konzentrieren sich stärker darauf. Daneben lernen Betroffene beim Tinnitus-Counseling per Bewältigungstraining, besser mit ihrem Tinnitus umzugehen. Entspannungstechniken, Bio- oder Neurofeedback und kognitive Verhaltenstherapie helfen, Stress zu verringern und Probleme aufzuarbeiten.

Viele Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und entsprechende Kliniken bieten in speziellen Sprechstunden Hilfe bei Tinnitus an. Manchen Betroffenen, vor allem wenn sie unter schweren Tinnitus-Formen leiden, hilft der Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik, die eine neurootologisch-psychosomatische Tinnitus-Therapie (NPT) anbietet. Dieses fachübergreifende Behandlungskonzept hat die frühere Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) mittlerweile abgelöst.